Vertiefung "Behandlung"

Wichtige Strömungen, die in der modernen psychoanalytisch begründeten Behandlung zusammenfließen:

  1. Ursprung = Triebpsychologie, Instanzen-oder Strukturmodell (Es-Ich-Überich) (Sigmund Freud und SchülerInnen)
  2. Ich-psychologisches Modell (z.B. Hartmann, Kris, Loewenstein, Rapaport)
  3. Selbstpsychologie (z.B. Kohut)
  4. Französische Psychoanalyse (z.B. Lacan)
  5. Objekt-Beziehungs-Theorie (z.B. Klein, Ferenczi, Balint, Fairbairn, Sutherland, Winnicott, Sandler, Rosenblatt, z.T. Kernberg)
  6. Metalisierungsmodelle (z.B. Fonagy, Target)
  7. Interpersonelle Psychoanalyse (z.B. Sullivan)
  8. Intersubjektive Psychoanalyse (z.B. Stolorow, Brandchaft, Atwood, Orange)
  9. Bindungstheorie und Säuglingsforschung (z.B. Bowlby, Dornes, Stern)
  10. Traumamodelle (z.B. Wöller, Reddemann)

Seelische oder psychosomatische Störungen entstehen in Belastungssituationen, die eine Versagung oder Versuchung für einen unbewältigten, mindestens in Teilen unbewussten seelischen Konflikt sind. Wir spüren dies an dem inneren Druck, in den wir geraten. Wir fühlen uns zwischen widersprüchlichen Impulsen hin- und hergerissen und meinen, sie nicht miteinander vereinbaren zu können (z.B. Wünsche nach Nähe und Autonomie in der Partnerschaft). Wir rechnen mit negativen inneren Konsequenzen (Gewissensbisse) oder von Menschen, auf die sich der Konflikt bezieht.

Psychoanalytisch begründete Verfahren gehen von der Annahme aus, dass der starke innere Druck daher rührt, dass sich in das aktuelle Konfliktgeschehen als Erwachsener ein unbewusster basaler Konflikt aus der Kindheit "einmischt", den wir früh verdrängt haben. Als Kinder waren wir auf die Bindung zu unseren Bezugspersonen angewiesen. Schlägt das biologisch angelegte Bindungssystem Alarm, tun Kinder alles, die Bindung von ihrer Seite aus zu sichern. In solchen belastenden Situationen sorgt ein unbewusster Mechanismus der Seele dafür, dass wir unsere harmlosen Wünsche (z.B. nach Nähe, Zärtlichkeit, Trost, Bewegung, Selbständigkeit, Willensäußerungen, auch mal wütend sein zu dürfen) verdrängen oder verleugnen, wenn wir die Erfahrung gemacht haben oder meinen, dass unsere Bezugspersonen mit diesen Wünschen nicht gut umgehen konnten. Womöglich haben wir als Kinder die verdrängte Erfahrung gemacht, dass wir für die Äußerung bestimmter Wünsche oder Impulse ausgelacht, stehengelassen, gekränkt und bestraft wurden. Im schlimmsten Fall haben Kinder Angst davor, nicht mehr geliebt und verstoßen zu werden. Aus diesem kindlichen Erleben heraus, werden die an sich harmlosen und sehr menschlichen Wünsche, um die es geht, bedrohlich. Die Wünsche sind verdrängt, die bedrohliche Angst bzw. das Gefühl der inneren Bedrängnis bleibt.

Solche kindlichen Erfahrungen und damit verbundenen Ängste "schlafen" im Hintergrund des unbewussten Teils unserer Seele und können im Erwachsenenalter in bestimmten Auslösesituationen in Teilen "wach" werden, ohne dass wir dies verstehen können. Der kindliche Grundkonflikt ist auf unser Erleben und Handeln als Erwachsener wirksam. Wir verstehen aber nicht wirklich, weshalb wir uns so bedrängt, überfordert und krisenhaft verwickelt fühlen, verzweifeln oft an uns selbst. Es kommt zu Beziehungskonflikten und Symptomen seelischer Erkrankungen wie eine niedergeschlagene Stimmung, Ängste, Panikattacken, Zwangshandlungen oder Frustessen. Symptome sind eine kompromisshafte Pseudolösung unserer bedrängten Seele: Wenn wir z.B. Angst haben, von unserem Partner verlassen zu werden, könnten wir aufgrund unbewusster Mechanismen z.B. eine Panikstörung mit Herzrasen entwickeln. Solche Symptome versetzen meistens auch den Partner in Schrecken, und er bleibt womöglich aus Angst, dass uns etwas passieren könnte, an unsere Seite. Symptome wollen auf die Bedrängnis der Seele aufmerksam machen. Leider verstehen wir die Mitteilung oft miss. Den Sinn der Symptomatik zu verstehen, ist ein wichtiger Bestandteil der psychoanalytisch begründeten Behandlungen. Deshalb wird ein Symptom als Ausdruck für einen Konflikt gesehen, den es zu verstehen gilt, damit es später nicht zu einer Symptomverschiebung kommt, weil der Konflikt nicht verstanden und gelöst werden konnte.

"Weißt du, wie man Biber fängt? Das ist sehr einfach: Der Biber geht unbeirrbar immer den gleichen Weg vom Bau zum Wasser. Von diesem Weg weicht er niemals ab. Den Biber fängt man, indem man einfach eine Falle auf diesen Weg stellt, deren geöffnete Tür in Richtung des Biber-Baus zeigt. Morgens kommen die Biber aus ihrem Bau und sehen die Falle. Man kann sie dabei beobachten, wie sie – weinend und schluchzend zwar – aber unbeirrbar ihren Weg gehen."

[aus: Irma Bingel, 1986, Spiegel-Geschichten, S. 41]

Aus psychoanalytischer Sicht werden Partnerwahl und Partnerbeziehung als eine Folge weitgehend unbewusster, verinnerlichter frühkindlicher und kindlicher Beziehungserfahrungen mit Eltern, Geschwistern und anderen bedeutenden Menschen (z.B. Großeltern) und der damit verbundenen Konflikte und Fixierungen gesehen. Die Partnerwahl ist an frühere Beziehungsvorbilder orientiert und stellt eine Wiederfindung mit den entsprechenden Tendenzen zur Wiederholung dar. Es kommen die Eltern-Kind-Beziehungen wie auch die Beziehung der Eltern untereinander zum Tragen. Nach neueren Erkenntnissen (z.B. Adam-Lauterbach, 2013) scheint die Partnerwahl auch sehr von den Erfahrungen mit den Geschwistern bzw. fehlenden Geschwistern beeinflusst zu sein.

Nach Adam-Lauterbach (2013) sind Geschwister bedeutsame Interaktionspartner und tragen vermutlich früh zum Aufbau von Urvertrauen bei. Bei ihnen besteht von Beginn an die Möglichkeit intensiver körperlicher Intimität und Nähe. Sie sind wichtige Bindungsfiguren. Je instabiler die Beziehung zu den Eltern war, desto enger wird die Bindung zu den Geschwistern.

Adressen & Infos: ambulante PT

Psychologische Psychotherapeuten
Seit dem Psychotherapeutengesetz ist die Berufsbezeichnung "Psychologische(r) PsychotherapeutIn" für diejenigen vorbehalten, die ein Universitätsstudium der Psychologie mit einem "Diplom" oder heute mit einem "Master" abgeschlossen haben und danach eine langjährige staatlich geregelte psychotherapeutische Fachausbildung mit Approbationsprüfung abgeschlossen haben. Dies ist eine Voraussetzung für die sozialrechtliche Zulassung als Vertragspsychotherapeutin zur Teilnahme an der Kassenpsychotherapeutischen Versorgung.

Ärztliche Psychotherapeuten
Neben approbierten "Psychologischen Psychotherapeuten" gibt es die fachlich gleichgestellten "Ärztlichen Psychotherapeuten", die ein Medizin- statt Psychologiestudium absolviert haben und aufbauend darauf eine Facharztausbildung in "Psychiatrie und Psychotherapie" oder "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" haben.

Psychotherapeutische und/oder psychosomatische Ambulanzen
Einige Adressen von Ambulanzen finden Sie in der Liste.

Adressen & Infos: stationäre PT

Die folgende Broschüre der Bundespsychotherapeutenkammer gibt einen überblick über Möglichkeiten der stationären psychotherapeutischen Behandlung. Es gibt nicht nur Reha-Kliniken für Psychosomatik, sondern auch Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, Kliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Allgemeinkrankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen, die psychische Erkrankungen stationär behandeln.

Adressen & Infos: Osteopathische Medizin